BERICHT: KONGRESS IN KÖLN

Anfang März sind mit der Unterstützung der StV krips 4 Leute unserer Fakultät zu einem Kongress der feministischen und queeren Psychologie nach Köln gefahren.

Weiter unten haben diese Leute einen Bericht geschrieben um anderen Studierenden der Psychologie Eindrücke von den Inhalten und Panels zu geben.

Durch den Hinweis auf solche etwas kritischeren Kongresse möchten wir euch auch nahe legen, solche zu besuchen, da diese einen breiteren Blick auf Psychologie bieten, die im Lehrplan unserer Fakultät nicht immer zur Geltung kommen.

Bei finanziellen Engpässen und sozialen Härtefällen kann die krips auch je nach Teilnehmer*Innenzahl und Budgetären Möglichkeiten Reisekosten-Unterstützung anbieten.

Kongressbericht „Feministische und Queere Perspektiven für die Psycho-logie II“

Vom 9. bis zum 11. März luden die Organisator*Innen zum zweiten Mal – diesmal nach Köln – ein, um queere- und feministische Forschungs- und Praxisperspektiven für die Psychologie zusammenzubringen. Die vielen im deutschsprachigen Raum verstreuten Forscher*Innen ha-ben hier die Möglichkeit ihre Arbeiten zu präsentieren und sich zu vernetzen. Für queer -feministisch arbeitende und forschende Psycholog*Innen ist das eine besonders wichtige Chance. Sie fristen an den Universitäten nach wie vor ein randständiges Dasein, da queere und feministische Ansätzen von der Mainstream-Psychologie konsequent ausgeblendet wer-den.

„Feministische und queere Psychologien verstehen Geschlecht und Sexualität als zentrale Strukturkategorien unserer Gesellschaft. Sie streben die Beseitigung von Benachteiligungen an, die durch diese Differenzkategorien in Verbindung mit weiteren Ungleichheitsstrukturen entstehen. Als Wissenschaft analysieren sie heteronormative Zusammenhänge zwischen Ge-schlecht, Sexualität, Normativität und Macht auf psychologischer Ebene. Dabei unterscheiden sie sich vom Mainstream der psychologischen Geschlechterforschung bzw. Genderforschung vor allem durch drei Charakteristika:
1. distanzieren sie sich vom Ideal des „objektiven“ und damit standpunktlosen Wissens,
2. betrachten sie Geschlecht (oder auch sexuelle Orientierung) nicht als voraussetzungslose unabhängige „Variable“ sondern als Effekt gesellschaftlicher Machtverhältnisse, dessen psy-chologische Voraussetzungen und Konsequenzen analysiert werden und
3. setzen sie sich selbstreflexiv mit der eigenen Forschung auseinander und vermeiden so weit wie möglich eine Fortschreibung der von ihnen untersuchten Mechanismen und Strukturen wie zum Beispiel Zweigeschlechtlichkeit.“ (Konzept Feministische und Queere Perspektiven für die Psychologie II)

Der erste Kongresstag war der Vorstellung und Diskussion studentischer Bachelor- und Mas-terarbeiten gewidmet. Die Student*Innen hatten hier die Möglichkeit ihre Arbeiten mit Unter-stützung der Teilnehmenden weiterzuentwickeln und das Sprechen von einem unbekannten Publikum zu üben.

Am Freitag ging die Konferenz für alle Teilnehmenden los, zum Einstieg hielt Helga Krüger-Kirn die Keynote zu „Intersubjektivität als Brücke zwischen Dekonstruktivismus und Psycho-analyse“. Da Körper und Geschlecht als zentrale Strukturkategorien in der subjektiven Ent-wicklung, sowie in der Gesellschaft gelten, besteht die Herausforderung darin, wie die Ver-mittlung von Gesellschaftlichem und Psychischem vorgestellt werden kann. Um sowohl strukturelle Verkürzungen als auch vereinseitigende Perspektiven ausschließlich entwick-lungspsychologischer Konzepte im Verhältnis von Individuum und Gesellschaft zu vermei-den, wurde in diesem Beitrag die Theoretisierung des Subjekts nicht nur diskursiv, sondern intersubjektiv gewendet.

Es folgten weitere Panels, in denen jeweils zwei Vorträge und Diskussionen stattfanden. Zwei von der Krips geförderte Teilnehmer*Innen referierten hier ebenfalls, Vera und Brigitte.
Vera stellte in einem Vortrag mit Nora Ruck einige Ergebnisse ihrer Masterarbeit vor in der es um die Entwicklungen eines feministischen Schwerpunkts am Psychologischen Institut in Wien geht. Es wurden die Rahmenbedingungen erörtert, die schließlich dazu führten, dass in den 80ern und 90ern ein breites Seminarangebot zu frauenspezifischer (Feminismus haben die höheren Ränge schon damals nicht gern gehört…) Lehre entstand und eine Gastprofessur für Frauenforschung eingerichtet wurde.

Brigitte stellte die Ergebnisse ihrer Masterarbeit vor in der es um Street Harassment geht. Ein spezieller Fokus wurde auf das Erleben von Street Harassment queerer und lesbischer Frauen* in Wien gelegt. Im Fokus der Forschung stand die Frage, wie queere und lesbische Frauen* den öffentlichen Raum in Wien erleben, welche Erfahrungen von Street Harassment sie machen und welche Konsequenzen diese nach sich ziehen. Ein besonderer Schwerpunkt ist der Umgang der interviewten Frauen* mit Street Harassment und die dafür von ihnen entwi-ckelten Handlungsstrategien. Mit Hilfe eines intersektionalen Ansatzes hat Brigitte die Über-schneidungen zwischen Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung, Geschlechterperfor-mance und Körperlichkeit untersucht.
Als inhaltlichen Ausklang gab Anelis Keiser einen spannenden Einblick in das neurowissen-schaftliche Experimentalgeschehen und beleuchtete, an welchen Punkten Geschlecht und Ge-schlechtlichkeit nicht nur als etwas Fixes, Binäres, Abgeschlossenes und Kategoriales ver-standen, sondern auch als solches von der Neurowissenschaft mitkonstruiert wird. Anhand einer eigens durchgeführten Studie entwickelte sie einen Vorschlag für eine kritische empiri-sche Neurowissenschaft, der ein alternatives Geschlechterverständnis zugrunde liegt.
In einer gemeinsamen Abschlussdiskussion wurde sich über die letzten Tage, offene Fragen, Kritik und Anregungen ausgetauscht. Bestehende Vereine oder Forschungszusammenhänge machten auf sich aufmerksam und andere Interessengruppen bildeten sich. Insgesamt war es eine sehr angenehme, diverse und diskussionsfreudige Atmosphäre auf dem Kongress.

https://queerfempsychologie.wordpress.com/…/2-tagung-femin…/

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STELLUNGNAHME ZUR RFS KANDIDATUR

Liebe Studierende,

wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, kandidiert Michaela Hössl, Mitglied des Ring freiheitlicher Studenten (RFS), für die Studienvertretung Psychologie. Warum es uns ein besonderes Anliegen ist, ihre Wahl zu verhindern, möchten wir euch im Folgenden darlegen:

Die Basisgruppe krips versteht sich als eine offene Gruppe von Psychologiestudierenden, die sich in ihrer politischen Arbeit auf gemeinsame Grundsätze verständigt haben. Ein wichtiger Grundsatz ist, dass wir uns für Antirassismus, Antifaschismus und gegen jeden Antisemitismus und andere Formen der Diskriminierung einsetzen.

Österreich ist geprägt von mehr oder weniger explizit rassistischen und autoritären Strömungen, die sich auch in der politischen Landschaft widerspiegeln. Die Asyldebatte und die Zunahme an rassistischen Zwischenfällen zeigt, wie gesellschaftsfähig derartiges Gedankengut immer noch ist (siehe z.B. ZARA Rassismusreport 2016). Dagegen treten wir inner- und außeruniversitär entschieden auf.

Der RFS rekrutiert seine Mitglieder zu einem großen Teil aus den deutschnationalen Burschenschaften, die mit einer Blut- und Bodenideologie den rechten Rand in der österreichischen Politiklandschaft bilden. Immer wieder fallen seine Mitglieder durch rechtsextreme Äußerungen und Kontakte ins neonazistische Milieu auf.

Auch zu den rechtsextremen „Identitären“ pflegt man gute Kontakte, mittlerweile gibt es auch hier personelle Überschneidungen. Bernadette Conrads, Aktivistin bei der so genannten Identitären Bewegung, kandidiert für den RFS auf Listenplatz 22 (Bundesvertretung) und ließ sich auch für die Wahl der Studienvertretung Politikwissenschaften aufstellen. Letztes Jahr überfielen die „Identitären“ ein Theaterstück von geflüchteten Personen im Audimax, bespritzen dabei Geflüchtete (darunter auch Kinder) mit Kunstblut und versuchten die Bühne zu besetzen. Im Zusammenhang mit dieser Aktionen wurden sie gerichtlich verurteilt.

Aus dem Ring Freiheitlicher Studenten kommen auch einige der momentanen FPÖ Abgeordneten. Dabei ist die Nähe zum Neonazismus, Rassenideologie und Antisemitismus weder neu, noch im geringsten überraschend. Diese Gruppierungen fallen auch immer wieder aufgrund von Gewalttaten auf. Beispielsweise auf einer Demonstration gegen den antisemitischen Professor Taras Borodajkewycz (der linke Politiker unter anderem als „Kaffeehausjuden“ bezeichnete und Hitlers Ansprache am Heldenplatz lobte) kam es zu einer gewaltätigen Auseinandersetzung. Ernst Kirchweger (Kommunist und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus) wurde zum ersten Todesopfer der rechtsextremen Szene in der zweiten Republik. Der 67-jährige wurde vom RFS-Aktivisten Gunther Kümel niedergeschlagen und erlag bald darauf seinen Verletzungen. Der bereits wegen terroristischen Anschlägen vorbestrafte Kümel bekam daraufhin gerade mal 10 Monate Haft.

Rechtsextreme Gruppierungen wie der RFS schaffen eine ideologische Grundlage für institutionellen und direkten Rassismus in Österreich und Europa. Sie sorgen für Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen und sind in weiterer Folge auch für die politische Legitimierung der Abschottung der „Festung Europa“ sowie für den Tod von tausenden Migrant*innen jährlich mit verantwortlich.

Wir wollen auf diese Zusammenhänge hinweisen und hierdurch bewusst machen, solchen Organisationen kritisch entgegenzutreten. Solche reaktionären Meinungen stehen einer offenen und solidarischen Gemeinschaft im Wege – in Politik, Hochschulen und überall sonst!

Macht euch für eine Studienvertretung stark, in der kein Platz für Kandidat*innen rechtsextremer Parteien ist – wählt vom 16.-18. Mai Listenplatz 2-6.

Eure krips

Konferenz der Neuen Gesellschaft für Psychologie

 vom 9. bis zum 12. März 2017

Konferenzbericht

Themenschwerpunkt: Gesellschaftliche Spaltungen und Erfahrung von Ungleichheit und Ungerechtigkeit

 

Seit 2008 findet regelmäßig in Berlin ein Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie in den Räumlichkeiten der Rosa-Luxemburg-Stiftung statt. Dabei werden gesellschaftskritische Themen behandelt, die aktuell oder über einen längeren Zeitraum medial aufgearbeitet und mithilfe psychologischer Zugänge betrachtet werden. Interessant ist, dass nicht nur Psycholog*Innen, sondern auch Dozent*Innen unterschiedlicher Disziplinen wie etwa der Politikwissenschaft, Soziologie, Bildungswissenschaft, Philosophie oder der Statistik referieren. Der Kongress bildet auf der Prämisse, dass allein die Psychologie als Disziplin nicht reicht, um die Herausforderungen unserer Zeit zu analysieren und Maßnahmen für bestimmte Probleme zu entwickeln.

 

Themenschwerpunkte des diesjährigen Kongresses waren unter anderem der zunehmende Rechtsruck in Europa, sowie gesellschaftliche Spaltungen zwischen Arm und Reich, zwischen Einheimischen und Zugewanderten, zwischen Mann* und Frau* (etc.). Der Abbau des Sozialstaates, und wie dieser von Medien und Politiker*Innen durch Sprache, Diskurse und Ideologien mitgeprägt wird, war Fokus vieler Panels. Subjektspaltung, soziale Ausgrenzung und Gerechtigkeitsdiskurse rundeten das Themenfeld ab.

 

Essentiell war mehreren Vorträgen die Mahnung, dass der aktuelle politische Rechtsruck als Warnsignal gewertet werden muss und dies einen größeren Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft erfordert. Die Psychologie hat die Aufgabe Erklärungsansätze zu liefern, inwiefern gesellschaftliche Verhältnisse zusammenwirken, wenn hassbasierte Handlungen zur Alltagsordnung werden. In seinem Vortrag „Warum hassen sie uns?“ widmete sich Georg Rammer der Fragestellung, wie ein neoliberal radikalisierter Kapitalismus zu wachsender Ungleichheit und Armut überall auf der Welt führte und diese Verabsolutierung von Markt und Wettbewerb die kognitive Grundlage schaffen konnte, dass Menschen sich mehr und mehr als Humankapital sehen; das Menschenbild des Homo Oeconomicus sich weiter zuspitzt. Weiterhin analysierte er, auf welche Weise das Individuum auf die empfundene systematische Benachteiligung und soziale Demütigung beim gleichzeitigem Abbau von Sozialstaat und Demokratie reagiert: Politische Resignation, Ressentiments, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Wichtig ist es hier konkrete Interventionen und Handlungsanweisungen für Politik und Gesellschaft abzuleiten. Denn Psychologie spielt bei der ganzheitlichen sozialen Analyse solcher Entwicklungen eine gewichtige Rolle, die in der sogenannten „Mainstream-Psychologie“ (Kognition, Neurowissenschaften, Arbeitspsychologie etc.) leider oft zu kurz kommt, aber für ein umfassendes Subjektverständnis notwendig ist.

 

Wie Werte in einer Kultur gebildet werden und rückwirken auf Erleben und Verhalten, zeigte Regina Girod in ihrem Vortrag auf. Sie beschrieb, wie sich Ungleichheit und Ungerechtigkeit in einem kulturellen Gefüge auf die Wertbildungsgefüge von jungen Migrant*Innen auswirken und wie die Verpflichtung sich in eine angetroffene Kultur- und Wertelandschaft mit bestimmten Sitten und Umgangsformen einzugliedern, kognitive und emotionale Belastungen mit sich bringen kann. In ihrer Analyse schlägt sich der Integrationsdruck einer „imaginierten deutschen Leitkultur“ zwar in der Assimilation fremder Normen und Verhaltensmuster nieder, ohne dass dabei jedoch die eigene Persönlichkeit preisgegeben werden muss.

 

Diese beiden Beispiele sollen nur einen kleinen Einblick in das vielfältige Angebot des Kongresses geben. Der übergeordnete Rahmen der Vorträge befasste sich des Weiteren, mit politischen Fehlentscheidungen, welche sich vor allem in wachsenden gesellschaftlichen Ungleichheiten, wahrgenommenen Ungerechtigkeiten und der Aushöhlung der Demokratie manifestierten und die Gesellschaft zu spalten drohen. So wurde von Prof. Dr. Gerd Bosbach dargelegt, inwiefern demografische Daten medial genutzt werden, um bestimmte Emotionen auszulösen. Diese wiederum beeinflussen politische Entscheidungen, welche in weiterer Folge den ideologischen Weg zur Agenda 2010 in Deutschland ebneten oder auch der zunehmenden Privatisierung der Renten-Vorsorge und die relativ widerstandslose Hinnahme dieser Entwicklungen.

 

Insgesamt nahmen über 40 Wissenschaftler*Innen aus dem deutschsprachigen Raum Teil mit der Zielsetzung die Spaltungen zwischen Wissenschaft und politischer Praxis alsbald zu überwinden.